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Ein erstes Ergebnis des Tests war eigentlich von vornherein klar: Die Qualität eines sprechenden Handys hängt nicht allein von der Sprachsoftware, sondern ebenso von dem Gerät ab. Was nutzt die beste Sprachausgabe, wenn die Tasten des Telefons schwer voneinander unterscheidbar sind oder das Menü unübersichtlich und kompliziert aufgebaut ist? Dies weist schon auf die Testergebnisse hin:
Während im Lieferumfang von Mobile Speak nur eine digitale Bedienungsanleitung enthalten ist, können Talks-Nutzer zusätzlich von einem Audiohandbuch und dem Tastenlernmodus profitieren. Die standardmäßige Installation eines softwareeigenen Hilfemenüs wäre für beide Produkte eine klare Unterstützung im mobilen Alltag. Bei Talks gibt es immerhin gegen Aufpreis eine Zusatzinstallation, für Mobile Speak ist diesbezüglich wohl noch nichts geplant.
Vorteilhaft sind bei beiden Produkten die Einstellmöglichkeiten der Sprachausgabe (Lautstärke, Geschwindigkeit usw.) sowie das Vorhandensein eigener Bedienbefehle über Tastenkombinationen zur Steuerung und Einstellung der Sprachsoftware.
Ein Manko ist hier jedoch bei Talks festzustellen: im Moment liest die Sprache den Menütitel, die Anzahl der Einträge, den aktuellen Eintrag, die Position des gewählten Eintrags und die Funktionen, die über die Displaytasten ausgelöst werden können.
Für manchen Anwender ist es lästig, dass dies alles immer wieder vorgelesen wird, auch wenn man im Menü nur einen Eintrag weiter navigiert. Eine individuelle Einstellmöglichkeit würde Abhilfe schaffen. Bei Mobile Speak gibt es hier Ansätze in die richtige Richtung.
Welche Extra-Funktionen des Handys macht die Sprachsoftware zugänglich? Wir haben knapp 50 Funktionen ausgesucht und überprüft.
Die Spanne reichte von typischen Anwendungen wie Kontakt anlegen oder SMS schreiben bis hin zur Datenübertragung per Bluetooth.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen; tatsächlich werden die meisten Funktionen durch die Sprachsoftware zugänglich gemacht. So gab es z.B. keine Probleme bei Standardabfragen (z.B. nach Akkuleistung, Gesprächsdauer), bei sämtlichen SMS-Funktionen, Anruflisten, dem Notizbuch, Einstellung der Ruftöne, Tastatur- und Anrufsperre, E-Mails schreiben etc.
Bei einigen Anwendungen klappte das Zusammenspiel zwischen Gerät und Sprachsoftware jedoch nicht einwandfrei. Ein Beispiel ist die Nutzung des Kalenders: Mit Hilfe des Handys kann sich der Nutzer an Termine erinnern lassen. Zu einem gewünschten Zeitpunkt ertönt der Alarm und auf dem Display erscheint der dazugehörige Termin, z.B. "Vorstandssitzung". Leider "verdrängt" der Alarm die Sprachausgabe, d.h. die Eintragung wird nicht vorgelesen. Sobald eine Taste gedrückt wird, verstummt das Signal. Der Text ist dann aber auch verschwunden. Ähnliche Probleme tauchen immer dann auf, wenn Funktionen genutzt werden, bei denen das Gerät selbst mit Tönen arbeitet, z.B. beim Wecker, bei der Einstellung der Klingeltöne oder der Spracheingabe. Dabei hat Talks dieses Problem etwas besser im Griff als Mobile Speak.
Was beide Produkte außerdem bislang noch völlig außer Acht lassen, ist die Ansage von Zeilenüberlängen. So wird auf dem Display angezeigt, dass eine Zeile noch über das Sichtbare hinaus weitergeht. Auch die Sprache sollte darauf hinweisen, anstatt unkommentiert an der Stelle abzubrechen, an der sie für Sehende aufhört.
Die Sprachverständlichkeit wurde von den Testpersonen bei beiden Produkten als befriedigend bewertet, doch wurden kleine Sprachstörungen während der Testläufe beanstandet. Dabei wurden bei der Mobile Speak-Lösung Störungen wie das Verschlucken von Wörtern, Lautstärkeveränderungen oder auch Stottern und Knacken häufiger bemängelt als bei Talks. Bei der Talks-Kombination tauchten derartige Störungen ausschließlich dann auf, wenn die Sprache mit individuellem Text konfrontiert war (z.B. beim SMS-Schreiben).
Bei der Systemstabilität hat die Kombination aus Nokia 6600 und Mobile Speak in unserem Test etwas schlechter abgeschnitten als die Kombination mit Talks. So kam es in einem Praxistest mit Mobile Speak zu einem Komplettabsturz, der einen Neustart des Gerätes erforderlich machte.
Neben dem im Softwaretest eingesetzten Gerät Nokia 6600 hat INCOBS zwei weitere Handys, das Nokia 3660 und das Siemens SX1, geprüft. Beide können mit Sprachsoftware betrieben werden.
Im Gerätetest am besten abgeschnitten hat das Nokia 6600, gefolgt vom Nokia 3660. Schlusslicht ist das Siemens SX1. Bemängelt wurde hier die eher unkonventionelle Tastatur, bei der die Ziffern nicht im Standard-Ziffernblock, sondern seitlich links und rechts neben dem Display angeordnet sind. Insgesamt kann man aber auch beim vermeintlichen "Gerätesieger" Nokia 6600 von keinem wirklich guten Ergebnis sprechen.
Hier einige Gründe für das schlechte Abschneiden der Geräte:
Eine Herausforderung für die Zukunft ist es, den sprechenden Handys das Surfen im World Wide Web beizubringen. Nahezu alle handelsüblichen Mobiltelefone sind inzwischen mit dieser Möglichkeit ausgestattet, und auch die Hilfsmittelhersteller versuchen, ihren Kunden diese Funktion zugänglich zu machen. Talks kann hierbei bereits die ersten Erfolge verbuchen, das Surfen im Internet ist zumindest eingeschränkt möglich.
Auf dieser Seite kommen 6 Begriffe vor, die in unserem Wörterbuch erläutert werden: Bluetooth, Installation, Shortcut, Sprachausgabe, Symbian und Tastenkombination.
Letzte Änderung: 12.01.2010 | © 2006 - 2013 DIAS GmbH | Impressum | Barrierefrei?